Bootstypen
Kanus
- von Josef Still und Natascha Stoeckel -

Als Kanus bezeichnet man – in Unterscheidung etwa zu Ruderbooten – alle Boote, die mit Paddel gefahren werden. Im wesentlichen gibt es hier zwei Gruppen: Kajaks, die man mit Doppelpaddel fährt und Canadier, bei denen  Stechpaddel benutzt werden.

RZ 851. Kajaks
 Von den Eskimos zum Fischen und Jagen benutztes Boot. Auf ein Gerüst aus Hölzern oder aus Walknochen wurden Felle (Robben oder Wal) gespannt und wasserdicht vernäht. Meistens waren die Kajaks nur für eine Person ausgelegt. Antrieb und Steuerung geschahen durch ein Doppelpaddel.

Im Zeitalter vor Erfindung des Kunststoffs waren die hierzulande gebräuchlichen Kajaks aus Holz. Hinzu kam der bequemeren Steuerung wegen gelegentlich ein Hecksteuer, das mit Fußpedalen bedient wurde.

Zerlegbare Kajaks soll es schon im alten Mesopotamien gegeben haben: Auf ein aus Weiden geformtes Gerüst wurden Ziegenhäute gespannt. Zum Transport über Land wurden die Boote wieder auseinandergebaut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts  gelangte dieses Faltboot wieder zu Ehren und erfreute sich besonders ab 1920 größter Beliebtheit. Das Boot besteht aus einem zerlegbaren Holzgerüst und einer Bootshaut. Letztere besteht oben aus starkem Leinenstoff und unten aus mehreren Schichten Gummi, abwechselnd mit Leinengewebe. Billigere Bootsmodelle haben anstelle Gummi PVC.
Mehr zur Geschichte des Faltbootes finden Sie in
“100 Jahre Faltboot”

Abbildung unten: Faltbootgerüst.

Faltbootgerüst

Faltboote sind deutlich stabiler, robuster und haltbarer, als man zunächst meinen könnte: Mit dem Boot rechts im Bild, einem KLEPPER Aerius II, überquerte 1956 Dr. Hannes Lindemann in 72 Tagen den Atlantik von Las Palmas nach St. Thomas in der Karibik (Nähe Haiti). Das Boot steht heute im Deutschen Museum in München.

Mit der zunehmenden Automobilisierung in den sechziger Jahren und der  Erfindung neuer Kunststoffe wurde das Faltboot mehr und mehr von Kunststoffbooten aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) abgelöst. Die Boote gab und gibt es in allen Variationen: als wendiges Slalom- und Wildwasserboot, als geradeauslaufendes, langes Eskia-Kajak für große Flüsse und Küsten (Abb. unten, Prijon) oder als dünnwandiges, leichtes Rennboot.

In jüngster Zeit gibt es unverwüstliche Kunststoffboote aus Hochleistungsthermoplast (HTP). (Abbildung rechts, Prijon). Eines der ersten Boote dieses Materials, hergestellt im Blasformverfahren, war der PRIJON TAIFUN (1982).

 

 

Kajaks allgemein:
+
universell einsetzbar (Wildwasser, Flüsse, Meer), windstabil, relativ leichtes Aufrichten nach dem Kentern
geringes Raumangebot, umständliches Ein- und Aussteigen

Faltboot speziell
+
kann auseinandergebaut und damit leichter transportiert und gelagert werden
teuer, muss gepflegt werden, nicht wildwassertauglich

 

2. Canadier

Von den Indianern benutztes Boot, mit dem sie zwischen ihren Siedlungen Waren transportieren konnten. Das Boot musste leicht sein, damit es über Hindernisse hinweggetragen werden konnte. Materialien waren Birken-, Ulmen- oder Hickoryrinde. Gefahren und gesteuert wurde und wird mit Stechpaddel. Die heutigen Canadier sind meist aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) oder Aluminium.

Canadier
+
Raumangebot, leichtes Beladen
– Windanfälligkeit