Portrait Donau
von Josef Still

Donaueschingen: Zusammenfluss Brigach und BregZwar ist die Donau nicht Europas längster Strom – das ist die Wolga. Aber der interessanteste und abwechslungsreichste ist sie auf jeden Fall. Für mich ist sie zweifellos der schönste Wanderfluss. Die Hälfte der insgesamt fast 3000 Kilometer langen Flussstrecke ist unreguliert; ab Budapest und vor allem in Bulgarien und Rumänien gibt es Ufer, die traumhaft schön sind wie Sandstrände am Meer. Bis Wien ist das Umfeld auf den komfortgewohnten Paddler zugeschnitten: Campingplätze und Biergärten säumen die Ufer. Allerdings auch Kraftwerke gibt es bis Wien mehr als genug.

Ab Bratislava aber wird der Fluss unbequemer, die Wellen werden höher, die Biergärten seltener und Campingplätze am Ufer gibt es gar keine mehr. Man paddelt einsam zwischen Auwäldern dahin. Hin und wieder kommt ein Schiff vorbei. Bilderbuch-Sehenswürdigkeiten, wie man sie in Württemberg, Bayern und Österreich laufend antrifft, werden Mangelware; dafür erlebt man eine Ruhe und eine Weite der Landschaft, die für die Eintönigkeit der Ufer entschädigt. Beuron

Verteilt auf mehrere Jahre befuhr ich die Donau von Donaueschingen bis zur Mündung ins Schwarze Meer. Die Gruppe der Mitpaddler war in der Regel zwischen zwei und acht Personen groß. Von Belgrad bis Silistra fuhr ich mit der “Internationalen Donaufahrt TID”, einem bunten Haufen von zähen Flusswanderern aus vielen Ländern. Wer die Donau nicht allein befahren will, dem sei die TID sehr empfohlen. Sie startet jährlich um den 20. Juni herum in Ingolstadt und erreicht zwei Monate später Silistra. Nähere Informationen beim Deutschen Kanuverband (siehe “Links”).

Die junge Donau Ulmdurchfließt im Schwarzwald ein enges, felsiges Tal in vielen Windungen. Schon dreißig Kilometer nach ihrer Entstehung in Donaueschingen versickert der größte Teil ihres Wassers in Kalkhöhlen des Jura und läuft unterirdisch zur Radolfszeller Aach und damit über den Bodensee zum Rhein (->mehr zur Donauversinkung). Bei Regensburg erreicht die Donau ihren nördlichsten Punkt und schwenkt nun auf ihre Hauptrichtung nach Südosten.

Regensburg

In Niederbayern grenzt sie die Vorberge des bayerischen Waldes ab vom fruchtbaren Gäuboden, der sich vom rechten Donauufer aus erstreckt.
Eine zentrale Rolle im Stadtbild spielt die Donau in Passau, der
“schwimmenden Stadt”. Das Ensemble um Burg Oberhaus,
Rathaus, Dom und Innmündung ergibt ein traumhaftes Bild.

Fähre in Niederbayern
Passau

Steile waldreiche Hänge und malerische Flusswindungen prägen das Bild in Oberösterreich, wo die Donau mit den Ausläufern des Böhmerwalds in Berührung kommt. Noch unspektakulär ist ihre erste Begegnung mit den Karpaten: Zwischen Wien und Bratislava stoßen das östliche Ende der Alpen und der nördliche Abschluss des Karpatenbogens aufeinander. Budapest
Am “Donauknie” kurz vor Budapest dreht der Strom nach Süden und tritt in die ungarische Tiefebene ein. Etwa 130 Kilometer nach Belgrad trifft die Donau erneut auf die Karpaten. Zwischen Golubac und Kladovo durchbricht sie im “Eisernen Tor” (“Derdap”) dieses gewaltige Gebirge. Wegen ihrer Felsbarrieren und Riffe war diese Strecke in früheren Zeiten für die Schiffahrt so gut wie unpassierbar. Erst der Bau eines großen Stauwerks bei Kladovo im Jahr 1972 beseitigte die Gefahren für die Schifffahrt vollständig.

Auf den letzten knapp 1000 Kilometern ihres Laufs ändert sich das landschaftliche Bild der Donau kaum mehr: Flach und breit fließt sie weitgehend unreguliert zwischen Auwäldern dahin. Seitenarme und Inseln machen sie zu einem Paradies für Pflanzen und Tiere. Siedlungen am Ufer sind seltener als am Oberlauf, denn die Anwohner ziehen aus Angst vor Hochwässern einen Platz in respektvoller Distanz vor. Der majestätische Strom erreicht hier Breiten bis zu zwei Kilometern; bei Hochwasser wird die Wasserfläche nahezu unübersehbar.Im Eisernen Tor

Im Delta schließlich verzweigt sich das Wasser in drei Hauptflüsse und zahllose Seitenarme: Durch den  nördlichen Arm (“Chilia”) fließen 62 Prozent des Donauwassers; der südliche (“Sfîntu Gheorge”), zugleich der landschaftlich schönste, transportiert 20 Prozent davon. Der mittlere (“Sulina-Arm”) ist ein schmales, seit dem frühen 19. Jahrhundert begradigtes und so gut wie strömungsloses Gewässer, das durch  ständige Ausbaggerungen für die Schiffahrt nutzbar gehalten wird. Das Gewirr von Kanälen und Kanälchen, Seen, Schilfflächen, schwimmenden Schilfinseln, Wälder und Steppen des Deltas bietet vielfältige Lebensräume für Vögel und Fische. Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Delta wegen seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und seines ungeheuren Fischreichtums eine der wenigen naturnah erhaltenen großflächigen Landschaften unserer Erde. Bis heute hat es mit 2.700 Quadratkilometern den größten geschlossenen Schilfbestand der Erde. (Gesamtgröße des Deltas 5.600 Quadratkilometer). Ein erster Eingriff war das staatliche Programm zum Abschuss fischfressender Vögel (1949 bis 1962). Dabei wurden ganze Brutkolonien zerstört. Mündung bei SulinaAuch große Fischzuchtanlagen und die industrielle Ernte von Schilf begannen das ökologische Gleichgewicht ins Wanken zu bringen. Verhängnisvoll war Ceaucescus “Programm zur vollständigen Herrichtung und Nutzbarmachung des Donaudeltas (1983)”: Zwei Drittel des Deltas sollten eingedeicht und trockengelegt werden, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Bis 1991 wurden 11,6 % des Deltas trockengelegt. Vor allem aus Geldmangel verlangsamte sich ab 1990 die Zerstörung und wurde schließlich gestoppt.
Das Donaudelta ist seit 1991 UNESCO-Welterbe, seit 1993        Biosphärenereservat und Nationalpark.

 

Die Donau in Zahlen

Auf ihrem Weg vom Schwarzwald zum Schwarzen Meer durchfließt die Donau zehn Länder oder fließt an ihren Grenzen entlang: Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und Ukraine.

Die Donau entwässert 817.000 Quadratkilometer (der Rhein dagegen nur 225.000 km2), etwa ein Zwölftel der Fläche Europas. Von den etwa 300 Nebenflüssen sind über dreissig schiffbar. In Deutschland ist der Inn der wasserreichste Zufluss; er steuert mehr Wasser bei, als die Donau selbst mitbringt. Die wichtigsten Nebenflüsse münden zwischen Budapest und Belgrad: die Drau, die Theiß und die Save. Im Unterlauf spielt die vergleichsweise geringe Wassermenge der Hauptzuflüsse Olt, Siret und Prut keine nennenswerte Rolle mehr.

Bis Bratislava (Preßburg) liegt die Strömungsgeschwindigkeit zwischen vier und zehn Kilometern pro Stunde; ein Gefälleknick bei Gönyü verringert das Tempo im weiteren Verlauf deutlich. 

Länge und KilometrierungKilometertafel in Serbien

“Brigach und Breg bringen die Donau zuweg”. Wenn es nach den Geographen geht, gilt das nur für den Namen der Donau, nicht aber für ihre Länge, denn sie rechnen den längsten Quellfluss, die Breg, der Donau hinzu: 2789 km (Strecke vom Zusammenfluß der beiden Quellflüsse in Donaueschingen bis zum Schwarzen Meer) plus 49 km (Länge der Breg) ergeben eine Summe von 2838 km. Die Donau ist damit nach der Wolga Europas längster Strom.

 Die Kilometrierung entspricht den am Ufer stehenden Tafeln; sie erfolgt von Donaueschingen bis Ulm (Illermündung) absteigend von 201 bis 0; ab hier erneut absteigend, beginnend mit 2588. Die Zahl gibt die Distanz bis Sulina an, einer Stadt an der Mündung des mittleren Deltaarms in das Schwarze Meer.

Donauorte und Flusskilometer

2789        Donaueschingen, Zusammenfluss
               von Brigach und Breg
2586        Ulm
2285        Deggendorf
1929        Wien
1870        Bratislava
1647        Budapest
1170        Belgrad
1040-934  Eisernes Tor
495          Russe (Bulgarien)
150          Galati (Rumänien)
0             Sulina

Donaubrücken

Anzahl im ersten Drittel (Donaueschingen bis Bratislava): 186
Anzahl im zweiten Drittel (Bratislava bis Kladovo): 24
Anzahl im letzten Drittel (Kladovo bis zur Mündung bei Sulina): 6

Die Bahnlinie Bukarest-Constanza (Schwarzes Meer) führt über eine der interessantesten Donaubrücken. Im rumänischen Cernavoda (km 300) überquert das 1895 vollendete Bauwerk zunächst den Borcea-Arm, dann die Balta-Insel und schließlich die eigentliche Donau. Die Brücke ist insgesamt 15 km lang und hat 68 Joche, von denen das weiteste 190 Meter misst. Die größte Durchfahrtshöhe beträgt 38-40 m und ermöglichte so den zur Zeit der Erbauung noch zahlreichen Segelschiffen die ungehinderte Durchfahrt. Besonders schwierig war auf Grund des wenig tragfähigen Bodens die Fundierung, die Pfeilergründungen bis zu 31 m Tiefe unter Mittelwasser erforderte.

Kanuführer

Seit einigen Jahren neu: Der Kanuführer für die gesamte Donau vom DKV:
DKV-AUSLANDSFÜHRER, Band 9, DONAU UND NEBENFLÜSSE
1. Auflage 2005, 460 S.
Die Donau von der Quelle bis zur Mündung, einschließlich ihrer Nebenflüsse, Vereinsanschriften der Kanu-Vereine an der Donau in Deutschland und Österreich.

 

Noch mehr zur Donau unter “Bericht Donau 2000” und “Bericht Donau 2002”

 

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bori
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